S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): April 2015
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Donnerstag, 23. April 2015

Well, fuck 2.0

Ja, mein Zustand verschlechtert sich rapide.

Heute bei der Taxilenkerprüfung galt es bei einem der 4 Teilbereiche 16 Fragen zu beantworten. In der Aufregung oder warum auch immer habe ich nur 2 von 3 Seiten beantwortet. Seite 3 mit den letzten 4 Fragen habe ich irgendwie übersehen, obwohl ich mir die Antworten zu den anderen Fragen noch 2-3 Mal durchgesehen habe.
Ich war also mind. 3 Mal zu blöd zum Umblättern und habe deshalb 4 Fragen nicht beantwortet. Von den anderen konnte ich 2 nur teilweise beantworten und 1 gar nicht. Somit sind eventuell 7 von 16 Fragen falsch beantwortet - 4 dürften es sein.

Die offiziellen Ergebnisse bekommen wir erst nächste Woche per Post zugesandt, doch ich weiß jetzt schon, dass ich nicht bestanden habe. Eine Nachprüfung findet frühestens in einem Monat statt und kostet nochmal 90€.
Vor allem der Selbstwert erfährt dadurch einen massiven Knicks. Ich kann noch weniger schlafen als sonst, bin nur am Heulen, weil ich nicht weiß wohin mit mir - wohin mit all dem Stress, der Wut, dem Zorn, der Enttäuschung.
Diese verschissene Dreckswarterei macht mich fertig. Schon wieder diese Ohnmacht. Ich kann nichts anderes tun, als auf nächste Woche bzw. nächstes Monat zu warten. Man kann sich vorstellen, wie ich mich darauf freue.

Der Hass, mein alter Freund meldet sich.
In dieser Situation richtet er sich vorwiegend gegen mich selbst, nur fühlt er sich aus anderen Gründen so vertraut an.
Ich will einen bestimmten Menschenschlag leiden sehen, bluten sehen, brennen sehen.Ich glaube noch immer daran, dass mir das eine gewisse Genugtuung verschaffen würde. Das wäre immerhin etwas. Ansonsten scheine ich praktisch keinen Ausgleich zu finden, für das, was in mir vorgeht. Früher waren es die Filme und Spiele, danach Serien, und jetzt ... reicht das alles nichtmehr - es gibt mir nichts mehr, zu mindest nicht in dem Ausmaß, wie ich es brauchen würde, und nicht auf Dauer.
Mich fuckt alles nurnoch an ... schon wieder. In solchen Situationen habe/spüre ich nichts, das mir in irgendeiner Weise das Gefühl von Rückhalt geben könnte. Ich fühle mich einfach nur allein, zwecklos, wertlos, sinnlos.

Ja, auch die Selbstmordgedanken häufen sich wieder und treten erneut stärker in den Vordergrund.

Mittwoch, 22. April 2015

Slipping (ein weiteres kleines Update)

Mir geht's mies und immer mieser.
Ich bin gerademal etwas über ein Monat aus der Anstalt draußen und würde mich am liebsten gleich wieder zurückverkriechen. Ich fühle mich hier nicht wohl. Und mit hier mein ich nicht unbedingt hier im Wohnheim, sondern generell hier draußen.

Es fühlt sich wieder immer mehr nach dem Feindgebiet an, wie ich es in der Musiktherapie mal nannte. Ich hasse es. Es macht mir Angst. Es demotiviert mich zunehmends. Erneut wird mein Depressionsloch stetig tiefer, und ich rutsche immer schneller hinein, komme umso schwerer wieder raus.
Ich spiele mit dem Gedanken, die Dosis des Antidepressivums bzw. Antipsychotikms nochmal erhöhen/anpassen zu lassen. Aber wird das diesmal auf Dauer helfen oder auch nur eine Zwischenlösung für ein paar Monate sein, bis die Kacke wieder anfängt? Mal davon abgesehen, dass mir immer höhere Dosen als Lösungsansatz überhaupt nicht gefällt, selbst wenn es nur vorübergehend ist. Doch es würde mir helfen die Zeit zu überbrücken. Die Zeit bis ...
WAS VERDAMMT?!?!?!
Außerdem fühle ich mich jetzt schon kaum wie ich selbst. Die Medikamenten fucken doch jetzt bereits mit meinem Erinnerungsvermögen und meiner Fantasie herum. Sie lassen die Teile, an die ich mich erinnern will, und die, die ich mir ausdenken will, kaum noch zu. Es ist schwer, dabei konzentriert zu bleiben. Absichtliches Nachdenken ist kaum noch möglich. Eine höhere Dosis Meds würde mir vielleicht auch noch die letzten vergangenheits- und zukunftsgerichteten Gedanken an alles nehmen, sodass ich mit der Aufmerksamkeitsspanne eines rolligen Eichhörnchens bloß noch hier und jetzt für den jeweiligen Moment leben könnte.
Will ich das?
Und wie soll ich dann jemals von dem Zeug wieder loskommen?

Soweit ein kleines Stimmungsupdate.
Ich schreibe hier nurnoch selten über mein Befinden, da das Meiste davon ohnehin nur Wiederholungen wären. Auch ohne sie gibt es lediglich eine Hand voll Leute, die das hier überhaupt interessiert oder die es zumindest aus anderen Gründen mitverfolgen.
Man liest es immer wieder mal, wie beschissen es mir geht. Doch denkt an die unzähligen Male, die ich es bereits aufgeschrieben habe, ohne dass ihr es gelesen habt. Und dann versucht euch vorzustellen, wie oft ich es nicht aufschreibe, weil's sogar mich selbst schon nervt.

And now for something completely different.
Als kleinen Lichtblick habe ich ich eine neue* Band entdeckt.**
 *die Band gibt's seit 10 Jahren
**es war ein Tipp meiner Sozialarbeiterin (ebenfalls ein Metalhead)
Dethklok ist eine fiktive skandinavische Deathmetal-Band aus der Trickfilmserie "Metalocalypse", in der sämtliche Klischees bedient werden. X'D

Die Band ist allerdings nicht nur Hauptdarsteller ihrer eigenen Serie, sondern die kreativen Köpfe dahinter haben es sich nicht nehmen lassen, dass Projekt auf die CD-Laufwerke, MP3-Player und Bühnen der Welt auszubreiten. So wurden mittlerweile 3 Studioalben veröffentlicht, welche von den Produzenten von "Metalocalypse" zu Events wie z.B. der Comic Con sogar live gespielt werden.
Schon krank, was sich alles hinter einer kleinen Trickfilmserie verbergen kann. ^^

PS:
Seltsamerweise scheint Mutter Russland ein verhältnismäßig hohes Interesse an diesem Blog zu haben - warum auch immer.
Wie dem auch sei, привет! :D

Mittwoch, 15. April 2015

Filme, die jeder mag, nur ich nicht

Die Chaosmacherin brachte mich in ihrem Blog auf die Idee und ich dachte, dass das auch ein Thema für mich wäre. Bin schließlich ebenfalls so ein Verächter so mancher Nerd-Filmkost, auf die viele, viiiieeele andere schwören. :p

Herr der Ringe
Gut, ich gebe zu, dass ich dabei wahrscheinlich einen denkbar schlechten Startpunkt "gewählt" habe. Ich habe nämlich mit dem ziemlich zähen 2. Teil (ich glaube, er heißt: "Abenteuer zu Fuß: die schönsten Wanderwege durch Greenscreens und Neuseeland") angefangen, der ... bäh, einfach nur bäh ist. -.-
Über Teil 1 & 3 kann ich im Prinzip nichts sagen, da ich die nie gesehen habe. Und obwohl ich weiß, dass die Mitte in Trilogien meistens etwas durchhängt, habe ich den anderen beiden Filmen seitdem trotzdem keine Chance gegeben. Ich habe beschlossen, dass HdR einfach nichts für mich ist.
Was so langatmig "beginnt", hat im Nachhinein immer einen schlechten Stand bei mir. Außerdem fehlt mir wortwörtlich die Magie in den Filmen, obwohl sich weite Teile der Geschichte eigentlich um das Musterbeispiel, DEN Magier schlechthin spinnen. Aber Gandalf bekommt es in Teil 2 gerademal gebacken, seine Wäsche zu waschen. Was wirklich magisches zeigt er nicht und muss er danach auch nicht, immerhin kacken sich alle auch so schon vor seiner Persil-Power in die Hose. So ein "Zauberer" beeindruckt mich nicht. Ok, das Augangsmaterial hat bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel, aber trotzdem.
Dementsprechend kann ich auch mit den nachgefolgten Vorgängern, die "Der Hobbit"-Reihe, nichts anfangen.

Freitag, 10. April 2015

Anstrengung

Montag, 30. März 2015
Fühle mich nicht original. Bin seltsam gestresst, so als müsste ich unbedingt schnell 1.000 Dinge erledigen, weil sich irgendwas anderes sonst nicht ausgeht. Angenehm ist anders.
Ich komme nicht zur Ruhe, kann keine Nacht richtig durchschlafen. Führe es darauf zurück, dass ich nun aus dieser geschützten Zone, in der ich während der Therapie gesteckt habe, raus bin. Auch davor hatte ich immerhin die Gewissheit, die Sicherheit, nun bloß die Therapie abzuwarten. Ich hatte ein fixes Ziel, zumindest eine klare Konstante, die mir ein wenig innere Ruhe spendete, auch wenn's mir zu dem Zeitpunkt nicht wirklich aufgefallen ist. Aber man merkt eben nur, was man hatte, sobald's weg ist. Jetzt herrscht wieder Ungewissheit vor. Ich gehe einer unklaren Zukunft entgegen, in der nichts feststeht. Das stimmt mich unruhig, instabil.
... und hier is' auch nicht unbedingt viel zu tun, das mich ablenken könnte.

Mittwoch, 1. April 2015
Einschlafen fällt in letzter Zeit ebenfalls ziemlich schwer. Glücklicherweise hatte ich noch einige Folgen "Castle" aufzuholen. Bin mit S07E17 nun wieder fast auf dem aktuellen Stand. Frage mich auch, ob es die Serie ebenfalls auf 10 Staffeln und 200 Folgen schafft, wie "Supernatural". Zumindest den Zuschauerzahlen zufolge sollte das kein Problem sein.
Der "große Traum" vom sauguten Gitarristen hat sich nun wohl auch erledigt. Ich muss mir eben eingestehen, dass ich nicht das Zeug dazu habe. Zu ungelenk, zu halbherzig, zu ungeduldig und wahrscheinlich noch eine Hand voll anderer Dinge. Ich muss mir wohl ein neues Hobby suchen, in das ich mich hineinstürzen kann. Wenn ich nur was wüsste, was mich während der Zeit, die ich damit verbringe, ähnlich einnimmt.
Schreiben?
...
Ich hasse es.
Dieses Gefühl, nichts mehr zu haben, dass man richtig gut kann und beinahe immer gerne macht. Ich weiß nicht, wie und womit ich das Loch, das die Spiele hinterlassen haben, wieder füllen kann.

Dienstag, 7. April 2015

Street Rod (Amiga 500)


Das ist zwar nicht das erste, aber ohne Zweifel das Renn- und Tuningspiel, das ich bis zum Erscheinen von "Gran Turismo 2" am meisten gespielt habe. :D
Wow, was sind damit für Erinnerungen verbunden. Ich dachte, ich muss jetzt einfach mal was wenigstens über eines meiner Lieblings-Amigaspiele schreiben, stellvertretend für die vielen, vielen anderen, und um den unzähligen Stunden, die ich damit verbracht habe, ein wenig Tribut zu zollen. ^^
Derzeit spiele ich es über den WinUAE Amiga-Emulator.

TODKRIEGBLUTPENISGEWALTHASSFICKENAARRRGHLAGHLragböählähwah

Ich möchte hier mal etwas auf meine äußerst gewalthaltige Vergangenheit eingehen, die mich zu einem homophoben, rassistischen, ignoranten Arschloch, einer menschenhassenden Gefahr für die Gesellschaft hat werden lassen, die alles verabscheut, außer ... DIE ALLES verabscheut, was er nicht versteht, und außer Tod, Blut und Krieg nichts in der Birne hat.

Es fing alles an als ich ungefähr 6 Jahre alt war.
Danach ging's permanent bergab mit meiner Moral und meinem Anstand, da meine Werte von nun an durch gewaltverherrlichendes und ähnlich wundervoll abstoßendes Material geprägt wurden. Zum Beispiel von Spielen, deren einziges Ziel die Vernichtung des Gegners ist.

Wings of Fury

2. Weltkrieg, Pafizifischer Ozean.
Man übernimmt das Steuer eines Hellcat Kampflugzeugs der US-Armee und rottet die japanischen Inselstellungen entweder mit Bomben aus halbwegs sicherer Höhe aus. Mit Raketen konnte man Betonbunker zerstören, und mit Torpedos feindliche Flugzeugträger versenken.
Danach ging's in den Sturzflug, wobei mit dem MG die flüchtenden Soldaten am Boden niedergemäht wurden. Dabei quieken sie auch noch so seltsam, dass man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann. Alternativ holt man mit der MG weiße Flugzeuge mit rotem Punkt vom Himmel. Aber erst wenn sämtliches Bodenpersonal ausgeschaltet ist, ist das Level beendet.
Ja, lauft nur, ihr pixeligen Klischees.
Zu brutal für einen 8-Jährigen? Scheiß drauf, TOT DEM INSELVOLK!
Ich fand's damals schon scheiß lustig und tue es immer noch. XD
Habe ich deswegen einen Hass auf die Japaner entwickelt? Verarsche ich jetzt ihre Sprache bei jeder Gelegenheit, die sich mir bietet? Bin ich deswegen nun ein überzeugter Fan der Amis?
Definitiv nein, da ich's trotz des dramatischen, realen Hintergrundes nicht ernst genommen habe. Es ist nur ein Spiel. Is' doch scheiß egal, ob ich nun draußen "Cowboy und Indianer" spiele oder drin vor dem Bildschirm japanische Inseln zerficke.

Samstag, 4. April 2015

The Story So Far VI

[Zu den Stories So Far I-V werdet ihr hoffentlich selbst finden (Tipp: ↑ ), ansonsten hier klicken.]

Nachdem ich im Sommer 2014 dem DiAMETER bereits sämtliche Erfolgssaussichten aberkannt hatte und dementsprechend wieder in ein depressives Loch gestürzt war, hatte ich im Oktober 2014 erneut einen Tiefststand erreicht.

Ich hatte mich schon wieder Monate nicht beim Arbeitsamt gemeldet. Ich konnte nicht. Das Geld ging zur Neige und die verständnislose alte Frau hörte nicht auf, Druck zu machen. Schlussendlich gipfelte es darin, dass ich mein Netbook, die externe Festplatte und meine Kopfhörer zusammengepackt und mich ohne ein Wort von einem Moment auf den nächsten verpisst habe.
Ich ging zu Fuß nach St. Pölten, mit dem "Plan", von jetzt an eben auf der Straße zu leben, und zu sehen, wo mich das Leben eben noch so hinträgt. Ich hab' wirklich auf alles geschissen. Mir war's fucking egal, was als nächstes passiert ... aber mit der größtenteils schwulen, obdachlosen Drogenszene der Stadt, die des nächtens im P+R Parkhaus des Bahnhofs (ich glaube, ich hab' an der Tür in Sperma gegriffen X_x ) "wohnt", wollte ich dann doch nichts zu tun haben, also beschloss ich, mich für die bereits ziemlich herbstliche Nacht im Park niederzulassen.
Dort twitterte ich den Akku des Netbooks leer. Dadurch bekam ich später am Abend eine Nachricht von der Wölfin, dass ich bei ihr ein paar Tage unterkommen könnte.
In diesen paar Tagen kam ich irgendwann zu der Entscheidung, endgültig Schluss zu machen. Nachdem ich von der Wölfin weg war, kaufte ich mir noch ein Menü beim BK, 3 Bier und eine Schachtel Zigaretten von den 20€, die sie mir mit auf den Weg gab, ohne von meinem Vorhaben zu wissen. Das Netbook usw. hatte ich als kleines Vermächtnis in ihrer Wohnung versteckt. Ich setzte mich auf der Donauinsel neben die Donau und überlegte mir, wie ich "es" den nun am besten anstelle.
Ich konnte es nicht tun.
Nach einer arschkalten Nacht an einem Steg auf der Donauinsel irrte ich zu Fuß durch Wien. Von der Insel zum Schwedenplatz, über den Stephansplatz zum Stadtpark, wo ich eine Stunde die Enten beobachtet habe, und über die innere Stadt wieder zurück auf die Insel. Baukräne und Brücken lachten mich freundlich an.
Ich konnte es nicht tun.
Ich fühlte mich von meinem Körper und meinem Unterbewusstsein verarscht (tue ich teilweise immernoch) und schrieb der Wölfin eine SMS, dass ich nicht weiß, was ich tun soll.

Von da an ging's sehr schnell.
Bei ihr zu Hause haben wir den PSD (Psychosozialen Dienst) benachrichtigt, die mich noch am selben Tag ins Otto Wagner-Spital auf die Baumgartner Höhe weiterleiteten. Da ich aber wegen versäumten Terminen beim Amt keinen Versicherungsschutz hatte, konnte ich dort jedoch praktisch nur über's Wochenende bleiben. Danach schaffte ich es mit wölfischer Hilfe nach St.P. zurück, um mich beim Arbeitsamt zu melden und von dort aus gleich ins Krankenhaus, zwecks eines weiteren klinischen Aufenthalts wegen starken suizidalen Tendenzen, weiterzuziehen. Die wollten mich zuerst beinhart wieder nach Hause schicken, bis sie sich schließlich zu einem Krankentransport an die Wall, einer Nervenheilklinik für den Beszirk St.P. einwilligten.
Ganze zwei Tage haben sie mich dort behalten, bis ich von Herrn Primar Zöchling, der ein paar Wochen vor seiner Pensionierung stand, für nicht akkut genug befunden wurde und ebenfalls wieder nach Hause geschickt werden sollte. Über das Personal und die Sozialarbeiterin organisierten wir zumindest einen Vorstellungstermin bei der Abteilung für Depressionen und stellten Kontakt zur Emmaus-Wohngemeinschaft in St.P her, wo ich bis dorthin unterkommen konnte.

Da war ich dann also: in einem Auffangnetz für durch's Raster der Gesellschaft gefallene.
Glücklicherweise war's nicht halb so schlimm, wie man gerüchteweise immer so am Rande ein wenig mitbekommt (Obdachlose, Säufer, Druggies und anderes Gesindel, das doch gar nichtsmehr machen will). Oder ich empfand's bloß nicht so, weil ich für viele der Situationen der Leute plötzlich verständnis hatte - schließlich war ich nun einer von ihnen. Besonders das Personal war sehr nett und ich fühlte mich dort eigentlich ganz gut aufgehoben.
Die Vorstellung im Haus 17 der Wall ging glatt und Mitte Dezember war dann überraschend Therapiebeginn, nachdem es zuerst hieß, dass erst im März ein Platz frei wird.

Nun habe ich also drei Monate Psychotherapie hinter mir und bin wieder bei der Wohngemeinschaft zurück.
Insbesondere die Einzelgespräche und die viele Ruhe in einer geschützten Umgebung haben mir sehr weitergeholfen. Wie ich in einem Brief an die Anstalt diese Woche schrieb: "Ich weiß noch immer nicht, was ich von der Zukunft und der Ungewissheit, die sie mit sich bringt halten soll, doch verbleibe ich dank Euch das Beste hoffend ... " Ganz so ist es zwar nicht, aber durch die medikamentöse Unterstützung halten sich die Mindfucks in Grenzen und die Motivation weitestgehend hoch.
Insgeheim hoffe ich allerdings noch immer, dass ich irgendwann Claudi wieder sehe und wir miteinander reden können. Mehr will ich gar nicht, und es vergeht wirklich kein Tag, an dem ich nicht danach sehne. Sie ist und bleibt der beste Mensch, den ich jemals kennenlernen durfte. Sie bedeutet mir viel, darum komme ich nicht davon los.
Ansonsten bin ich derzeit drauf und dran, mir den Taxilenkerausweis zu holen und danach in St.P. herumzucruisen. :)

Arbeit und wieder eine eigene Bleibe sind nunmal die nächsten Ziele, die es in dieser Realität zu erreichen gibt. Mal kucken, was sich auf dem Weg dorthin sonst noch so ergibt.
Wie's wirklich weitergeht?
Keine Ahnung.
Ich hoffe nicht unbedingt das Beste, aber habe das Gefühl, momentan auf einer guten Welle unterwegs zu sein, und ich will einfach sehen, was noch so kommt. Nicht drüber nachdenken, einfach mal machen. Im (Zer-)Denken bin ich gut, das kann ich später noch immer aufholen.

Donnerstag, 2. April 2015

Das Wohnheim mit der Maus

Ich glaube, es wird mal Zeit, dass ich euch ein wenig über das Wohnheim erzähle, in dem ich untergekommen bin.

Es handelt sich um ein Haus der Emmaus-Gemeinschaft - ein von Charlie Rottenschlager vor 32 Jahren ins Leben gerufenes Projekt. Ihm missfiel es, dass so vielen Ex-Häftlingen in der Gesellschaft keine Chance gelassen wurde. Sie hatten wegen ihrer Vorgeschichte von Grund auf Schwierigkeiten Arbeit zu finden, konnten sich dementsprechend auch keine Wohnung, und in weiterer Folge natürlich kein Leben leisten. Der fromme Menschenfreund Charlie investierte also in ein Haus, in das er gemeinsam mit seinen ersten, meistens vorbestraften Schützlingen einzog, und das er gemeinsam mit ihnen restaurierte. Von dort aus begannen sie, nach Möglichkeiten zur Unterstützung für Menschen zu suchen, die ähnlich benachteiligt wurden, wie sie selbst.
Inzwischen ist die Emmaus-Gemeinde gewachsen und bietet überall auf der Welt Menschen, die durch das Raster der Gesellschaft gefallen sind, eine neue Möglichkeit, wieder Fuß zu fassen.
Egal, ob man nun in der Vergangenheit was ausgefressen hat, sich in psychischer Behandlung befindet, in der Schuldenfalle steckt oder einfach nur Pech hatte und deswegen auf der Straße steht - bei der Emmaus bekommt man was zu essen, Kleidung, ein Dach über'm Kopf, seelischen Beistand und Möglichkeiten zur Beratung und Betreuung auf dem Weg in eine eigenständige Zukunft.
Erhalten wird das Ganze durch Sponsoren, Zusammenarbeiten mit der Stadt, dem Arbeitsamt und einigen anderen Organisationen, vielen, vielen (Sach-)Spenden in Form von Kleidung usw., und selbstverständlich der unschätzbaren fleißigen Arbeit der Bewohner und des Personals der Häuser selbst.
Find' ich klasse. :)


Der majestätische Speisesaal, wo die hochwohldurchlauchten Siedler dieser Feste verweilen und gedenken, sich gar illustre Gaumenfreuden munden zu lassen.
... Heute gab's Spinat mit Spiegelei und Kartoffeln. Später machte der Koch noch Würstchen dazu, weil sonst gemäutert worden wäre. Gut möglich, dass wir ihn dann gegessen hätten.
FLEISCH!!!
Hier in diesem Haus sind wir 19 Leute: ein paar ehemalige Convicts, ein paar Scheidungsfälle und eine Hand voll anderer dumm gelaufene Geschichten, so wie meine.
Dabei handelt es sich aber um ein anderes Gebäude, in einem anderen Stadtteil, als das, wo ich Ende Oktober unterkam. Hier finden vorwiegend die Leute einen Platz, die bereits einen halbwegs geraden Weg eingeschlagen und eine Vorstellung davon haben, wie sie ihr Leben wieder auf die Reihe bekommen können. Es wurde also schon heftig ausgefiltert. Drogen und Alkohol sind hier tabu, und gelegentliche Gespräche mit den Betreuern, in Form von kurzen Updates, passieren praktisch täglich. Vernachlässigt oder unbeachtet wird hier niemand.
Dabei finde ich es bemerkenswert, was für eine Nächstenliebe hier vom Personal tatsächlich gelebt wird. Man hat wirklich das Gefühl, dass sich um einen gekümmert wird und dass die Leute auch wirklich wollen, dass man wieder auf die Beine kommt.