S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): Februar 2015
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Mittwoch, 25. Februar 2015

Über Fehler in der Matrix und den Satz mit X ... (Journeyal #29)

Mittwoch, 25. Februar 2015, 19:04
Als Montags kein Einzelgespräch auf dem Plan stand, hielt ich es für einen dieser typischen kleinen Fehler, der nur auf dem Papier existiert und sicherlich im Laufe des Tages korrigiert werden wird, weil ich schließlich den Pfleger darauf aufmerksam gemacht habe.
Bis heute hat sich allerdings nichts geändert. Die Schwestern und Pfleger wussten auch nichts genaueres und nachtelefonieren brachte ebenfalls keinen Erfolg. Also bin ich auf gut Glück rüber ins andere Anstaltsgebäude, wo die Sitzungen immer stattfinden. In den Fenstern war's dunkel, und die Putzfrau konnte mir auch keine Auskunft über den Verbleib von Fr. Rotwild geben. Somit gab's heute unangekündigt und, laut meinem derzeitigen Wissensstand, grundlos eben kein Einzelgespräch. Well, fuck. :/
Darf man sich denn wirklich auf absolut nichts mehr freuen? Nichtmal auf eine Stunde Quasseln mit der Therapeutin?
Ja, ich freue mich auf solche Termine. Das Einzelgespräch und die Musiktherapie sind immerhin die einzigen beiden Sachen hier, bei denen ich Spüre, dass sich tatsächlich was tut. Und jetzt? ... Jetzt sitze ich hier, fühle mich als hätte ich einen emotionalen Tiefschlag wegzustecken und würde mich am liebsten einfach nur in eine dunkle Ecke verziehen, in der ich meine Ruhe habe. Solche Kleinigkeiten setzen mir oft ziemlich zu. Unter anderem auch, weil man sie so wunderbar einfach hätte vermeiden können.
Es wär' ja nicht so schlimm, wenn dabei nicht auch noch ältere Geschichten mit aufgewühlt werden würden. Dadurch bekommen die negativen Gefühle bezüglich dieser minimalen Kommunikations-Panne noch zusätzlich Öl ins Feuer, sodass die intuitive Enttäuschung sehr schnell wächst und einen einnimmt.
Außerdem habe ich ja noch das Problem, bei sowas immer gleich alles in irgendeiner Weise persönlich zu nehmen. Zum Beispiel weil ich ihr letzte Woche ja den Link zu diesem Blog hier gegeben habe. Ich bin prinzipiell auf eher negatives Feedback bzw. ein wenig Tough Love eingestellt. Jetzt bekomm' ich voerst jedoch gar nichts, was die Sache nicht unbedingt leichter macht. Sogar der Gedanke, dass ich sie damit vertrieben haben könnte und sie mir nun ausweicht, rauscht ab und zu durch den Kopf. Ich weiß, dass das ein, wenn schon nicht unmöglicher, aber doch sehr unwahrscheinlicher Fall wäre. Allerdings: negative Grundeinstellung + Ungewissheit = jede Menge Worst Case-Szenarien. Zumindest bei mir. :(

Gestern und heute ahnte ich aber schon, dass bald wieder Schrott passiert.
Ich hatte zwei unangenehme Deja Vus. Die Sorte, bei denen man nicht nur zu wissen glaubt, dass man das schonmal so geträumt hat, sondern einen auch noch das bedrückende Gefühl beschleicht, so als würde man wissen, dass gleich nichts Gutes passiert. Nur kann man eben nicht sagen, was es genau ist, das man da "erwartet". Man spürt nur das seltsame "WTF? Schon wieder?"-Gefühl des Deja Vus selbst, und das Böse, das irgendwo lauert und einem zuflüstert, dass die Situation "beim ersten Mal" schon nicht gut ausgegangen ist.
Gemessen an dem äußerst unbehaglichen Gefühl, das ich dabei hatte, kann ich mich eigentlich glücklich schätzen, wenn es danach nur eine ausgefallene Einzelsprechstunde zu beklagen gibt.

Montag, 23. Februar 2015

Grand Theft Fressalien (Journeyal #28)

Sonntag, 22. Februar 2015
Da Damien nun weg ist bin ich seit gestern einen Dienstgrad vom Vize- zum Parlamentssprecher für die Mitpatienten des Hauses aufgestiegen. (Jeden Freitag wird eine Hausparlamentssitzung abgehalten, in der organisatorisches von Seiten des Personals bekanntgegeben wird und diverse Anliegen der Patienten vorgebracht werden können.)
Erste große, inoffizielle Amtshandlung war einen Dieb zur Rede zu stellen.
In unserem Zimmer wurden über die letzten Tage öfter mal diverse Fressalien aus den Schubladen unserer Nachttische geklaut. Heute fanden wir durch des Täters eigene Fehler endlich raus, wer's war.
"Unterschätze niemals die Dummheit von Kriminellen.", habe ich mal irgendwo gehört, und es trifft in diesem Fall wunderbar zu. Weil's minderschwere Fälle waren habe ich ihn vorerst jedoch mit einer mündlichen Verwarnung davonkommen lassen, mit dem Hinweis darauf, dass die Person die erste ist, die ich mir schnappe, sobald wieder irgendwo was fehlen sollte.
Ich meine, was sollen denn bitte solche unnötigen scheiß Kindergarten-Aktionen. Da frisst man mir'ne Packung Haribo Gummis und einem Kollegen die Wurst weg, anstatt einfach mal zu fragen, ob man was davon abhaben kann. Außerdem liegt in der Schublade, die sich (bisher unverschlossen) direkt über meinem Naschzeug-Lager befindet, das Netbook, die externe Festplatte, meine Kopfhörer und mein altes Handy praktisch zur freien Entnahme. Doch da schnappt er sich lieber Süßkram. Es existieren nicht genug Facepalms auf der Welt, um sowas angemessen zu unterstreichen. Hoffentlich NOT to be continued.

Fuck. Ich bin innerlich so aufgewühlt, dass ich dieses Wochenende auch wieder nicht genießen konnte. Ständig diese irrationale Angst davor, dass mir die Zeit davonläuft. Dazu noch diese Ungewissheit darüber, wie's wohl nach der stationären Therapie weitergeht, obwohl doch immerhin die Wohnsituation schon geklärt ist. Außerdem verschwimmt mir der zeitliche Ablauf erst kürzlich passierter Dinge. Ich kann mich oft nichtmal einwandfrei daran erinnern, was gestern wann, wie war und ob es überhaupt gestern war oder letzte Woche. Sowas trägt ebenfalls nicht zur Beruhigung bei.
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Montag, 23. Februar 2015, 17:57 Uhr
Und schon geht's nahtlos weiter mit dem Fressdiebstahl.
Jetzt verschwinden nämlich nach und nach Sachen aus dem Kühlschrank der Patientenküche. Man könnte es ohne weiteres dem bisherigen Täter zuschieben. Das wäre dann eben der kürzester und bei weitem nicht unlogischste Weg von A nach B, nur fehlen diesmal die Beweise. Bis wir welche haben könnte es praktisch jeder gewesen sein. Well, fuck. :/

Samstag, 21. Februar 2015

Medis Reloaded (Journeyal #27)

- Wellbutrin (Antidepressivum; keine Nebenwirkungen): 300mg täglich morgens
- Zoldem 10mg: je nach Bedarf bei starken Schlafstörungen;
- Abilify (zur Verminderung der Gedankenkreise und für Hebung der Stimmung + Motivation): begann mit morgens 2,5mg = Nervosität, auf die ab Mittag starke Müdigkeit folgte;
wurde dann erhöht auf 5mg abends = keine nennenswerten Probleme;
nochmalige Erhöhung um 5mg morgens = insgesamt 10mg = tagsüber starke innere Unruhe + Konzentrationsschwierigkeiten + nicht zu stillender Tatendrang;
Reduzierung der Morgenration auf 2,5mg + ...
- Akineton 4mg (um die Unruhe der Abilify auszugleichen und wieder etwas runterzukommen): Händezittern, Stress, vereinzelt kurze Angstschübe, noch immer Schwierigkeiten mit der Konzentration, verschwommene Sicht in Kombination mit Schwindelgefühl, Fokusieren sehr anstrengend, Erinnerungsvermögen geschrottet;
Schwindel ließ dafür stark nach;
Angstschübe kommen seltener vor, sind allerdings noch immer vorhanden
- Seroquel 25mg, Parkemed 500mg, bzw. Mexalen 500mg kommen situationsabhängig ebenfalls ab und zu zum Einsatz
... und das sind jetzt nur mal die vergangenen 2-3 Wochen.

Freitag, 20. Februar 2015

Vertrauen ist gut, ... (Journeyal #26)

Donnerstag, 19. Februar 2015, 16:42
Die Konzentrationsschwäche und das sehr begrenzte Erinnerungsvermögen fängt langsam an zu nerven. 
Ich tue mir sogar schon schwer, mich daran zu erinnern, was heute Vormittag gewesen ist. Hätte ich nicht gewisse Fixpunkte auf dem Plan, die praktisch jede Woche weitestgehend gleich sind, dann wär' ich total aufgschmissen. Ich könnte dann wohl nichtmal zwischen dem gestrigen Mittwoch und dem Montag letzter Woche unterscheiden.
Auch bemerke ich, dass heute die verschwommene Sicht wieder etwas schlimmer ist, als sie gestern war. Lange auf den Bildschirm oder andere Quellen von Kleingeschriebenem zu blicken ist echt anstrengend. Aber naja, ein Besuch beim Augenarzt wäre sowieso schon längst überfällig, sofern es ein physiologisches Problem ist.
Was mich allerdings am meisten beschäftigt ist diese innere Aufgewühltheit, dieser Stress, der sich ein paar Mal am Tag mit kleinen Angstattacken besonders bemerkbar macht. Es fühlt sich alles so schnell und unübersichtlich an, sodass ich Angst habe, die Kontrolle zu verlieren, irgendwas zu verpassen und/oder wieder unüberlegten Mist zu bauen, weil ich versuche nachzukommen.
Die Zeit verging rasend. Jetzt bin ich nurnoch 4 Wochen lang hier. Das lässt in mir die Hektik aufsteigen, da ich innerhalb dieser Zeit gerne noch so viel wie möglich gelernt und erledigt hätte, obwohl ich nichtmal weiß was genau. Aber vor allem muss ich dann ja wieder raus aus dieser Comfort Zone und "da draußen" weitestgehend alleine zurechtkommen. Ich hab' Angst davor. - dahingehend hat sich nicht viel geändert. Die Frage danach, warum ich mir das überhaupt alles nochmal antun soll, spukt ebenfalls noch immer in meinem Kopf herum.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Lasset die Spiele beginnen (Journeyal #25)

Dienstag, 17. Februar 2015
Gestern haben wir in der Beschäftigunstherapie/Zerlegewerkstatt einen Nintendo 64 aus dem Schrott gefischt. Er sah noch gut aus, hatte alle Kabel und sogar 4 Controller dabei. Leider fehlte uns ein Spiel, um ihn gleich ausprobieren zu können. (Sowas darf man doch nicht einfach so zerschrotten. Also zumindest ich brächte es nicht über's Herz. D:) Wir schwärmten davon, wie geil "Mario Kart 64" dazu wäre. Schließlich ist es eines DER Multiplayer-Spiele überhaupt auf der Konsole.
Heute Vormittag kam einer unserer Zerlega-Kollegas plötzlich mit 3 Spielen an, die er ganz unten in der Schrotttonne gefunden hatte, aus der wir unsere Geräte holen. "Lamborghini Challenge", "Bomberman Hero" und ...
... wait for it ...
"Mario Kart", BITCHES!!! \o/ XD
Wie auf's Stichwort. ^^
Das Multiplayer-PRO Starterset aus dem Jahr 1998
Mittags hab' ich das Ding gleich ausprobiert und es funktioniert fast einwandfrei, bis auf das alte Leid, dass man öfter mal aus- und einschalten muss, um ihn zum Laufen zu bringen. Die Vorbesitzer hatten darauf wohl keinen Bock und haben gleich das ganze Set weggeworfen. Dafür sind jedoch die Analogsticks noch nicht allzu ausrangiert. (Die sind praktisch die einzige Schwachstelle der Controller.)

Montag, 16. Februar 2015

Medis (Journeyal #24)

Montag, 16. Februar 2015
Die vergangenen 2 Wochen waren sowas wie ein Experiment der Pillen-Jongleure.
Sich auf die richtige Dosis der richtigen Medikamente einstellen zu lassen ist teilweise echt anstrengend und manchmal verbunden mit etwas Trial & Error, also "1 Schritt vor, 2 zurück". Irgendwas is' immer, also heißt es geduldig sein.

Sonntag, 15. Februar 2015

Jubiläum (Journeyal #23)

Samstag, 14. Februar 2015, 13:13 Uhr
Valentinstag in der Klappse. Mal was anderes. Das hat schließlich nicht jeder. ^^

1 Jahr und 54 Minuten ist es nun her, dass ich den DiAMETER abgeliefert habe. (Ob das Ding überhaupt nich existiert?) Bisher ohne auch nur dem winzigsten Erfolgserlebnis in Form irgendeiner Reaktion. Würde mir schon genügen, wenn's nur'ne Ohrfeige wär'.
Frau Rotwild hat das im ersten Moment so aufgefasst, als wäre ich ein absolut unterwürfiges kleines Hündchen. Glücklicherweise konnte ich dem rechtzeitig entgegen wirken, bevor sich diese Ansicht ins Gedächtnis brennt. Im Laufe des Einzelgesprächs habe ich ihr auch vom DiAMETER erzählt und ihr die Bilder geszeigt.  Jetzt hätte sie gerne eine Kopie des schriftlichen Teils, um mir Feedback von außen, einer anderen Perspektive zu geben, selbst wenn es nur um eine Beurteilung dessen geht, ob ich mich verständlich ausgedrückt habe. Gleichzeitig ist die Bestätigung dafür enthalten, dass ich ihr keinen Scheiß erzähle. Und wer weiß schon, welche Informationen sie daraus noch entnehmen kann. Habe ihr jedenfalls zugesagt, es sie lesen zu lassen. Ist ja sowieso frei zugänglich im Netz, also warum dann gerade vor meiner Therapeutin verheimlichen.
Hadere jedoch noch mit dem Gedanken, ihr gleich den Link zum Blog zu geben. Nur ist der mit meiner gesamten Online-Persona und sämtlichen Accounts verbunden. Na das könnte was werden, wenn sie sich da tiefer hineingraben würde. ^^

Donnerstag, 12. Februar 2015

Bäh :/ (Journeyal #22)

D-o- n-n-e-r-s-t-a-g , 1-2. F-e-b-r-u-a-r 2-0-1-5, 1-5 : 1-6 U-h-r  [3.Anlauf]
(SO, jetzt aber! Shit fucking Blogger löschte mir gerade 2mal diesen Blogeintrag, sobald ich auf "Speichern" gedrückt hab ... und auch beim Autosave. >.<*)
Seit gestern Nachmittag hab' ich Fiebersymptone, aber keine erhöhte Temperatur. Mir ist nur manchmal schwindelig, kann mich nicht konzetrieren und mir oft auch einfachste Dinge nicht merken. Ab und zu verschwimmt mir die Sicht. Und teilweise tue ich mir schwer, zwischen Realität und einem Streich meines Gehirns zu unterscheiden. Gestern hörte ich während eines kurzen Schwindelanfalls plötzlich Stimmen, von denen ich jedoch nur unverständliche Gespächsfetzen mitbekam.. Ich kannte ihren Klang. Es waren die beiden anderen Mitpatienten, die noch da waren. Als ich aber von meiner Werkbank aufblickte, sah ich, dass die beiden gar nicht miteinander reden. WTF? Óo
Am gestrigen Vormittag hab' ich neue Medis bekommen - eine Pille, ein Mal täglich, die mich wieder etwas von der aufputschenden, um nicht zu sagen vollkommen überdrehten Wirkung der doppelten Dosis Abilify runterkommen lässt. (Ich hoffe, das geht nicht so weiter.; Meds gegen die Nebenwirkungen anderer Meds zu fressen wollte ich eigentlich so gut's geht verhindern.) Sie funktioniert, dämpft also Nervosität und Ungeduld um einiges runter. Doch vor allem durch den Zeitpunkt der ersten Einnahme könnte man so locker eine Verbindung zwischen meinem Befinden und den Medis herstellen. Wird beobachten das Ganze noch ein paar Tage.
Es könnte immerhin genauso gut bloß die Grippe sein, die hier seit ca. einer Woche nacheinander die Leute, Personal und Patienten gleichermaßen niederringt. Die diesjährige Grippe muss dann ein dementsprechendes Monster sein, wenn sie sogar mich erwischt. Normalerweise bin ich nämlich nur ein Medium, ein Überträger und kein "Endnutzer" von Krankheiten. Und schon gar nicht von solchem 0-8-15 Schrott. Vielleicht dass ich ein einziges Mal in 1-2 Jahren kurz einen Tag lang danieder liege, doch das war's dann auch schon.
Heute ist so ein Tag.

Samstag, 7. Februar 2015

Tod den kontinuierlich durchnummerierten Blogposts! (Journeyal #21)

Freitag, 06. Februar 2015
In der Musiktherapie spielten wir "Locomotive Breath" von Jethro Tull, da Mr. Minecraft merkte, dass mir nach etwas schwungvollerem zumute war, obwohl ich eigentlich meine innere Trauer zum Ausdruck bringen sollte. Bin allerdings schon einige Tage durchgehend verhältnismäßig gut drauf, weshalb das nicht einfach so funktioniert hat. Man kann sich eben nicht mehr oder weniger auf Kommando in Trauer einfühlen, noch dazu unvorbereitet. Jetzt aber, wo ich weiß, was er vorhat, kann ich dem sicher etwas nachhelfen. Schließlich gibt es da eine Hand voll Nummern, die mich praktisch immer an der richtigen Stelle treffen und die Schleusen öffnen.
In der Einzeltherapie kam ich mit Rotwild auf Claudi zu sprechen. Folglich flossen auch dort nun zum ersten Mal die Tränen.

Heute habe ich meinen Befund, das Ergebnis des 500-Fragen-Selbsteinschätzungs-Psychotests von letzter Woche bekommen.
Es liegt eine traumainduzierte depressive, jedoch nicht psychotische oder wahnhafte Symptomatik mit schizoiden und paranoiden Akzenten vor, die allerdings nicht für eine waschechte Persönlichkeitsstörung ausreichen.
...
Denen, die den Satz verstanden haben, muss ich ihn ohnehin nicht erklären. Für alle anderen: soll heißen, dass ich rational wirklich noch ziemlich gut funkioniere - das wurde auch von der Ärztin im Gespräch mehrmals betont. Es gab also keine Überraschungen, sondern eigentlich nur Selbstbestätigung.
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Samstag, 07. Januar 2015

Goalem und ich sind heute mit dem Zug in die Stadt gefahren. Wir haben immer wieder mal Bock auf chinesisches Essen, und der nächstgelegene Chinamann (Gesichter und Augen sprachen eher für Mongolen) ist eine 5-minütige Zugfahrt entfernt. Wir nutzten die Gelegenheit auch gleich für eine kleine Shoppingtour.
Ich hab' mir so ein Samuel L. Jackson-mäßiges Käppi, eine junger-Jack Nicholson-Style Sonnenbrille, 3 Paar Socken und 1 Paar Shorts gekauft, weil ja die Waschmaschine oder der Trockner hier in der Anstalt gelegentlich was verschluckt. Außerdem gönnte ich mir in'nem 1€-Shop eine eigene Kaffeetasse + Löffel. Auf der Klinikstation herrscht nämlich andauernd entweder Tassen oder Löffelnotstand ... oder beides ... oder es wird immer jemand beschuldigt, das Geschirr einfach irgendwo stehen zu lassen und/oder nicht abzuwaschen. Zumindest in meine Richtung ist damit jetzt Schluss.
Neue Schutzfolien für's Smartphone-Display hab' ich mir ebenfalls geleistet. Beim Abziehen der Alten viel mir ein kleiner Stein vom Herzen, weil's bisher so aussah, als hätte ich bereits einen Sprung im Display - war aber glücklicherweise nur ein Kratzer in der nach nur 2 Wochen bereits milchig werdenden, offensichtlich minderwertigen Folie.

Insgesamt fühle ich mich die letzten Tage über etwas unruhig/hibbelig. Ich brauch ständig was zu tun und der Zwischenspeicher meines Gedächtnisses weist ab und zu kleinere Aussetzer auf. Am Donnerstag wurde nämlich die Dosis Abilify verdoppelt - bin nun auf 10mg; eine morgens, eine abends. Stimmungs- und motivationstechnisch geht's mir zwar, wie gesagt, besser und die Gedankenkreise sind, im Vergleich zu vorher, praktisch nichtmehr vorhanden, aber ich bin mir noch nicht im Klaren darüber, ob mir der Preis dafür gefällt.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Journeyal #20

"Die Alten" werden nach und nach mit ihren Therapien fertig und reisen ab.
Heißt auch, dass sie durch Neuzugänge ersetzt werden. Leider sieht es so aus, als würde "das Niveau" dabei stetig sinken. Es kommen immer mehr "wirklich kranke" hier an, mit denen man kein vernünftiges Wort wechseln kann ... oder will. Teilweise sind die echt anstrengend. Manche sind anhänglich und haben ein extremes Mitteilungsbedürfnis in Verbindung mit starken Stimmungsschwankungen. Andere ziehen sich sehr in sich selbst zurück. Und die Nächsten haben oft keine Ahnung, wovon sie reden, sind jedoch vom Gegenteil überzeugt, oder glauben, dass ihre eigene Meinung keinen halben Cent wert ist und begleiten beinahe jeden Atemzug mit: "Ne, is' doch egal. Vergiss es. Passt schon."

Das spiegelt sich natürlich auch in der Gruppe wieder. Ich weiß: "Kein Wort über den Fight Club." Aber ich rede ja auch nur über die Person an sich und nicht über die Themen der Gruppe und die tatsächlichen Aussagen der Leute.
Besonders ist  Dizo in der Gruppe unbrauchbar. Echt anstrengend ihm zuzuhören. Er spricht kaum Sätze fertig, ist extrem unsicher und hat eine kranke Verzweiflung in der Lache, so als würde er druch das Lachen überspielen wollen, dass er im Moment nicht weiter weiß oder nichts sagen will. Man sollte keine allzu langen Sätze an ihn richten, weil er die Zusammenhänge von Haupt- und Nebensätzen nicht versteht. (Sogar der Satz wäre ihm wohl schon etwas zu viel gewesen.) Es gilt, sich auf kurze prägnante Hauptsätze konzentrieren, da ihn ein erläuternder Nebensatz, wie dieser hier, schon so sehr verwirren könnte, dass er dem ganzen Satz nichtmehr folgen kann. Praktisch nicht vorhandene Konzentrationsfähigkeit paart sich hier mit einer Aufmerksamkeitsspanne aus der Kategorie "Trostpreis - Danke für's Mitspielen". Unmöglich, mit ihm ein annähernd flüssiges Gespräch zu führen. Man muss "explain it like he's five" anwenden. Doch selbst dann steigt er nach einer Hand voll Fragen aus, die er dürftig bis gar nicht beantwortet hat.
An seine Fress-Flashs, die er bis ca. 0:00 uhr beim jede Nacht beim Einschlafen bekommt, kann er sich meistens am nächsten Morgen nicht erinnern, obwohl er mächtig Lärm dabei macht. Er schnellt auf, macht das kleine Licht neben seinem Bett an, sitzt benommen ein paar Minuten da, stopft sich dann einige Kekse und/oder whatever rein und knickt ebenso schnell wieder in den Schlaf, wie er hochkam. Dazwischen das obligatorische Tütengeraschel, das Geknarze des Holzbettes und Geploppe einer sich zusammenziehenden und wieder ausdehnenden Plastiktrinkflasche.

Sonntag, 1. Februar 2015

Journeyal #19

Donnerstag, 29. Januar 2015
Warum bin ich hier?
Was will ich?
Madame Rotwild (vormals Fr. Alternative; musste einfach einen anderen Namen finden, doch jetzt passt er perfekt, weil ihr echter Name wirklich der eines Rotwilds ist, sie rote Haare und einen "wilden" Kleidungsstil hat. XD) stellte mir diese Fragen am Ende des letzten Einzelgesprächs. Aber was ihr zum Abschluss beinahe schon als die Wichtigste erschien:
Will ich meine Gewaltfantasien loswerden?

Ich hab' darüber ein wenig nachgedacht und bin zum vorläufigen Endergebnis gelangt: Nein.
Sie sind ein Teil von mir. Die Aggressionen sind ein Teil von mir, und ein nicht unbedingt kleiner. Aber die extremen Gewaltfantasien und der ernsthafte Gedanke daran, jemandem etwas anzutun, treten ohnehin nur bei bestimmten Themen und Personen in den Vordergrund. Dass ich sie habe ist also für den Alltag praktisch nicht relevant. Und was den Rest betrifft fühle ich mich mit ihnen nicht im Unrecht. Es gibt wohl nichts, das ich "meinen schlimmsten Feinden" nicht wünschen würde. Sie hätten es verdient. An dem Gedanken hat sich nichts geändert, und das soll es meiner Meinung nach auch nicht.
... Hm, bin schon gespannt, was Ma'am Rotwild dazu sagt, wenn das Thema wiedermal zur Sprache kommt.

Die Musiktherapie hat diesmal einen Nerv getroffen.
Mr. Minecraft (die Sachen, die er begleitend am E-Piano spielt, erinnern mich eben immer an den Spielsoundtrack ^^) ist nun bis zu meinen Unsicherheiten und dem angeknacksten Selbstwert vorgedrungen. War das erste Mal, seit ich hier bin, dass es bei mir während einer Therapiesitzung die Tränen auch mal raus kamen. Aber es war gut so. Minecraft weiß nun immerhin, bei welchem Punkt er ansetzen kann und wie weiter verfahren wird.